Die Berliner Polizei startet im August 2026 ein Pilotprojekt zum Einsatz künstlicher Intelligenz (KI) am Kottbusser Tor. Später sollen ähnliche Systeme auch an der Warschauer Straße, am Alexanderplatz und im Görlitzer Park eingesetzt werden. Ziel ist es, Einsatzkräfte bei der Erkennung gefährlicher Situationen zu unterstützen und schneller auf Straftaten reagieren zu können.
Gerade diese Orte zählen seit Jahren zu den kriminalitätsbelasteten Bereichen Berlins. Gewalt, Drogenhandel, Raubdelikte und andere Straftaten stellen Polizei und Rettungskräfte immer wieder vor große Herausforderungen. Moderne Technologien können dabei helfen, Gefahren früher zu erkennen und Menschen besser zu schützen.
Wie funktioniert das System?
Entgegen vieler Befürchtungen handelt es sich nicht um eine biometrische Gesichtserkennung. Nach Angaben der Berliner Innenverwaltung werden Gesichter nicht ausgewertet. Stattdessen analysiert die KI ausschließlich anonymisierte Bewegungsmuster.
Die Kamerabilder werden in abstrahierte Darstellungen – sogenannte Strichmännchen – umgewandelt. Erkennt das System ungewöhnliche Bewegungsabläufe oder mögliche Gefahrensituationen, wird lediglich ein Hinweis an die Polizei übermittelt. Die endgültige Entscheidung trifft immer ein Mensch.
Die KI ersetzt also keine Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten. Sie dient ausschließlich als intelligentes Assistenzsystem.
Warum solche Systeme notwendig sind
Kriminalität entwickelt sich ständig weiter. Organisierte Kriminalität, Messerangriffe, Gewaltdelikte und andere Bedrohungen entstehen oft innerhalb weniger Sekunden. Polizeikräfte können jedoch nicht gleichzeitig jeden Kamerabildschirm dauerhaft beobachten.
Genau hier liegt die Stärke künstlicher Intelligenz.
Während Menschen schnell ermüden oder einzelne Ereignisse übersehen können, analysiert eine KI kontinuierlich große Datenmengen und erkennt auffällige Muster wesentlich schneller. Dadurch können Einsatzkräfte früher informiert werden und schneller eingreifen.
Im Ernstfall können wenige Sekunden darüber entscheiden, ob Menschen verletzt werden oder nicht.
Zur Kritik: Entsteht eine Massenüberwachung?
Kritiker wie der Chaos Computer Club oder die Gesellschaft für Freiheitsrechte warnen vor einer automatisierten Dauerüberwachung des öffentlichen Raums.
Solche Bedenken verdienen eine ernsthafte Diskussion. Datenschutz und Grundrechte gehören zu den wichtigsten Säulen eines demokratischen Rechtsstaats.
Allerdings sollte auch berücksichtigt werden, wie das Berliner Pilotprojekt tatsächlich ausgestaltet ist.
- Es findet keine biometrische Gesichtserkennung statt.
- Personen werden nicht anhand ihrer Identität verfolgt.
- Die KI bewertet ausschließlich Bewegungsmuster.
- Über Maßnahmen entscheidet weiterhin ausschließlich die Polizei.
- Das System soll ausschließlich an kriminalitätsbelasteten Orten eingesetzt werden.
Zwischen einer anlassbezogenen Gefahrenanalyse und einer flächendeckenden Überwachung der gesamten Bevölkerung besteht ein erheblicher Unterschied.
Sicherheit und Freiheit sind kein Widerspruch
Häufig wird der Eindruck vermittelt, mehr Sicherheit bedeute automatisch weniger Freiheit.
Dabei gilt ebenso:
Menschen müssen sich frei und sicher im öffentlichen Raum bewegen können. Wer Angst vor Gewalt, Überfällen oder Messerangriffen haben muss, verliert ebenfalls ein Stück seiner Freiheit.
Moderne Sicherheitsmaßnahmen können daher auch Grundrechte schützen, indem sie Kriminalität verhindern und das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung stärken.
Ein Blick in die Zukunft
Die Berliner Polizei geht mit diesem Pilotprojekt einen wichtigen Schritt in Richtung moderner Gefahrenabwehr.
Wenn sich das System bewährt und gleichzeitig Datenschutz, Transparenz und rechtsstaatliche Kontrolle gewährleistet bleiben, könnte es künftig einen wichtigen Beitrag zur öffentlichen Sicherheit leisten.
Kriminalität nutzt längst moderne Technologien. Ein demokratischer Rechtsstaat sollte deshalb ebenfalls moderne, kontrollierte und verhältnismäßige Technologien einsetzen dürfen, um Bürgerinnen und Bürger wirksam zu schützen.