Ich habe inzwischen selbst einen Termin (KW 37), bei der Agentur für Arbeit vereinbart, weil die aktuelle Maßnahme Schwierigkeiten damit hat, mich fachlich richtig einzuschätzen und mir eine passende berufliche Perspektive zuzuordnen.
Hinzu kommt, dass ich grundsätzlich jemand bin, der den Kontakt zu staatlichen Stellen und den für mich zuständigen Behörden selbstständig aufrechterhält. Ich informiere mich, suche den Austausch und kümmere mich eigenständig um meine berufliche und persönliche Entwicklung.
Meine Erfahrungen mit der beruflichen Einordnung
Dadurch entsteht für mich eine ungewöhnliche Situation: Der Staat und teilweise auch Menschen aus der Gesellschaft wissen durchaus, womit ich mich beschäftige, welche Interessen ich habe und in welchen Bereichen ich mich engagiere.
Sie können dabei natürlich nicht zwangsläufig die gesamte fachliche Tiefe, Tragweite und möglichen Konsequenzen dessen erfassen, womit ich mich beschäftige. Das ist auch nicht unbedingt zu erwarten. Entscheidend ist für mich vielmehr, dass diese Interessen und Tätigkeiten grundsätzlich sichtbar sind und ich mich damit seit längerer Zeit eigenständig auseinandersetze.
Ausgerechnet der Träger, die Grone-Schule Schwarzenbek, der mich im Rahmen der Eingliederungsmaßnahme unterstützen und beruflich fördern soll, scheint darüber hingegen nur sehr wenig zu wissen. Dazu kommen bei mir der Eindruck von Desinteresse und eine fehlende Bereitschaft, sich wirklich mit meiner Person auseinanderzusetzen.
Diese Erfahrung ist für mich nicht neu. Ähnliche Situationen habe ich bereits in Werkstätten für Menschen mit Behinderungen (WfbM) und in der ambulanten Eingliederungshilfe erlebt. Auch dort hatte ich teilweise den Eindruck, dass Menschen mit einem Profil wie meinem nur schwer eingeordnet werden können, weil ihre Fähigkeiten, Interessen und individuellen Möglichkeiten nicht dem entsprechen, was man aus den üblichen Vorstellungen über Menschen in solchen Unterstützungsangeboten kennt.
Besonders irritierend empfinde ich dabei eine gewisse Selbstverständlichkeit im Umgang mit mir. Teilweise wirkt es auf mich sogar arrogant, wenn nach einer vergleichsweise begrenzten Zeit so aufgetreten wird, als würde man mich bereits seit 43 Jahren kennen und genau wissen, wer ich bin, was ich kann, wofür ich mich interessiere und welche berufliche Perspektive für mich die richtige ist.
Dabei kenne ich mich selbst, meine Interessen und meine Fähigkeiten seit vielen Jahren und beschäftige mich eigenständig mit meiner beruflichen Entwicklung. Ich erwarte deshalb nicht, dass andere von Anfang an alles über mich wissen. Ich erwarte aber, dass man sich die notwendige Zeit nimmt, mich tatsächlich kennenzulernen, bevor man über meine Fähigkeiten, meine Interessen und meine berufliche Zukunft urteilt.
Für mich bedeutet Unterstützung deshalb nicht, mich möglichst schnell irgendeiner Maßnahme oder einem Praktikumsbetrieb zuzuordnen. Unterstützung bedeutet, meine tatsächlichen Fähigkeiten und Interessen zu erkennen und daraus gemeinsam eine berufliche Perspektive zu entwickeln, die zu mir passt.
Eine Möglichkeit neben IT wäre für mich auch der pädagogische Bereich in einem Kindergarten. Die Arbeit dort hat mir Freude und Begeisterung bereitet, sodass ich mir neben meinen Interessen vorstellen könnte, in diesem Bereich weitere Erfahrungen zu sammeln.
Meine Interessen als Autist liegen langfristig im Bereich der inneren und äußeren Sicherheit, insbesondere in der Terrorismusbekämpfung, der militärischen Sicherheit, der Bekämpfung von Cyberkriminalität sowie der Verhinderung, Aufklärung und Strafverfolgung schwerer Straftaten im digitalen und physischen Raum.
Verschiedene Möglichkeiten sollen für mich keine Endstationen sein und auch nicht als Desinteresse an meinen besonderen beruflichen und persönlichen Interessen verstanden werden, sondern vielmehr als Wege, auf denen ich Erfahrungen sammeln und mich beruflich weiterentwickeln kann, um später meinen beruflichen Weg entsprechend meinen Interessen weiterzuverfolgen und diese Interessen auch außerhalb meiner beruflichen Tätigkeit weiterzuverfolgen.
Außerdem sind diese Interessen ein fester und dauerhafter Bestandteil von mir und begleiten mich ebenso bei meiner beruflichen Tätigkeit. Ich kann fürsorgliche Tätigkeiten mit Kindern übernehmen, mich um sie kümmern und auf sie aufpassen. Ebenso kann ich mich nach Feierabend mit IT beschäftigen, mit der auch böse Menschen getötet und Leid gebracht werden kann.
Von der Gesellschaft bei meinen IT-Kenntnissen für dumm gehalten, für moderne technologische Strafverfolgung und Gefahrenabwehr mit Künstlicher Intelligenz (KI), Biometrie, automatisiertem Datenabgleich und Analyse sowie Vorratsdatenspeicherung, die die Menschen schützen sollen, verachtet. Mit meinen Überzeugungen und Interessen setze ich meinen Weg unbeirrt und konsequent fort.